Textversion

Sie sind hier:

Historie

Verbreitung

Nutzen & Pflege

Beispiele & Baumarten

Parks & Einzelbäume

Literatur & Kunst

Zitate

Gedichte

Lieder

Springende Alleebäume

Der Verteidiger

Der Mittwochsbaum

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Mobilität & Alleendefinition

Notfälle & Zuständigkeiten

Register & Sidemap

Hinweise

Kontaktformular

Der Knabe und sein Vater

Gottlieb Konrad Pfeffel (1736 - 1809)

Ein Knabe aß, wie viele Knaben,
Die Datteln für sein Leben gern,
Und um des Guten viel zu haben,
So pflanzt' er einen Dattelkern
In seines Vaters Blumengarten.
Der Vater sah ihm lächelnd zu
Und sagte: "Datteln pflanzest du?
O Kind, da musst du lange warten!
Denn wisse, dieser edle Baum
Trägt oft nach zwanzig Jahren kaum
Die ersten seiner süßen Früchte."
Karl, der sich dessen nicht versah,
Hielt ein, mit stutzigem Gesichte.
"Ei!" sprach er endlich zum Papa:
"Das Warten soll mich nicht verdrießen!
Belohnt die Zeit nur meinen Fleiß,
So kann ich ja dereinst als Greis,
Was jetzt der Knabe pflanzt, genießen."

Das Liedlein vom Kirschbaum

Johann Peter Hebel (1760 - 1826)

Der lieb Gott het zum Früehlig gseit:
"Gang, deck im Würmli au si Tisch!"
Druf het der Chriesbaum Blätter treit,
vil tausig Blätter grün und frisch.
Und 's Würmli us em Ei verwacht's,
s het gschlofen in sim Winterhus.
Es streckt si, und sperrt 's Müüli uf
und ribt die blöden Augen us.
Und druf se het's mit stillem Zahn
am Blättli gnagt enanderno
und gseit: "Wie isch das Gmües so guet!
Me chunnt schier nimme weg dervo."
Und wieder het der lieb Gott gseit:
"Deck jez im Immli au si Tisch."
Druf het der Chriesbaum Blüte treit,
viel tausig Blüte wiiß und frisch.
Und 's Immli sieht's und fliegt druf los,
früeih in der Sunne Morgeschin.
Er denkt: "Das wird mi Caffi si;
si henn doch chosper Porzelin.
Wie sufer sin die Chächeli gschwenkt."
Es streckt si troche Züngli dri.
Es trinkt und seit: "Wie schmeckt's so süß,
do muß der Zucker wohlfel si."
Der lieb Gott het zum Summer gseit:
"Gang, deck im Spätzli au si Tisch!"
Druf het der Chriesbaum Früchte treit,
viel tausig Chriesi rot und frisch.
Und 's Spätzli seit: "Isch das der Bricht?
Do sitzt me zu, und frogt nit lang.
Das git mer Chraft in Mark und Bei
und stärcht mer d' Stimm zum neue Gsang."
Der lieb Gott het zum Spötlig gseit:
"Ruum ab, sie hen jez alli gha!"
Druf het e chüele Bergluft gweiht,
und 's het scho chleini Rife gha.
Und d' Blättli werde gel und rot
und fallen eis im andere no,
und was vom Boden obsi chunnt,
mueß au zum Bode nidsi go.
Der lieb Gott het zum Winter gseit:
"Deck weidli zu, was übrig ist."
Druf het der Winter Flocke gstreut -

Tulpenflor

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857), vertont von Hans Pfitzner

Es glänzt der Tulpenflor, durchschnitten von Alleen,
Wo zwischen Taxus still die weißen Statuen stehen,
Mit goldnen Kugeln spielt die Wasserkunst im Becken,
Im Laube lauert Sphinx, anmutig zu erschrecken.

Die schöne Chloe heut spaziert in dem Garten,
Zur Seit ein Kavalier, ihr höflich aufzuwarten,
Und hinter ihnen leis Cupido kommt gezogen,
Bald duckend sich im Grün, bald zielend mit dem Bogen.

Es neigt der Kavalier sich in galantem Kosen,
Mit ihrem Fächer schlägt sie manchmal nach dem Losen,
Es rauscht der taftne Rock, es blitzen seine Schnallen,
Dazwischen hört man oft ein artges Lachen schallen.

Jetzt aber hebt vom Schloss, da sich´s im West will röten,
Die Spieluhr schmachtend an, ein Menuett zu flöten,
Die Laube ist so still, er wirft sein Tuch zur Erde
Und stürzet auf ein Knie mit zärtlicher Gebärde.

"Wie wird mir, ach, ach, ach, es fangt schon an zu dunkeln" -
"So angenehmer nur seh ich zwei Sterne funkeln" -
"Verwegner Kavalier!" - "Ha, Chloe, darf ich hoffen?" -
Da schießt Cupido los und hat sie gut getroffen.

Der Lindenbaum

Wilhelm Müller (1794 - 1827), vertont von Franz Schubert

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum;
Ich träumt' in seinem Schatten
So manchen süßen Traum.

Ich schnitt in seine Rinde
So manches liebe Wort;
Es zog in Freud' und Leide
Zu ihm mich immer fort.

Ich mußt' auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht,
Da hab' ich noch im Dunkeln
Die Augen zugemacht.

Und seine Zweige rauschten,
Als riefen sie mir zu:
Komm her zu mir, Geselle,
Hier find'st du deine Ruh'!

Die kalten Winde bliesen
Mir grad' ins Angesicht;
Der Hut flog mir vom Kopfe,
Ich wendete mich nicht.

Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von jenem Ort,
Und immer hör' ich's rauschen:
Du fändest Ruhe dort!

Sehnsucht

Heinrich Heine (1797 - 1856)

Jedweder Geselle, sein Mädel am Arm,
Durchwandelt die Lindenreihn;
Ich aber, ich wandle, dass Gott erbarm,
Ganz mutterseelenallein.

Mein Herz wird beengt, mein Auge wird trüb,
Wenn ein andrer mit Liebchen sich freut.
Denn ich habe auch ein süßes Lieb,
Doch wohnt sie gar ferne und weit.

So manches Jahr ich getragen hab,
Ich trage nicht länger die Pein,
Ich schnüre mein Bündlein, und greife den Stab,
Und wandr in die Welt hinein.

Und wandre fort manch hundert Stund,
Bis ich komm an die große Stadt;
Sie prangt an eines Stromes Mund,
Drei keckliche Türme sie hat.

Da schwindet bald mein Liebesharm,
Da harret Freude mein;
Da kann ich wandeln, feins Liebchen am Arm,
Durch die duftigen Lindenreihn.

Im Sommer

Heinrich Seidel (1842 - 1906)

O komm mit mir aus dem Gewühl der Menge,
Aus Rauch und Qualm und tobendem Gedränge
Zum stillen Wald,
Dort wo die Wipfel sanfte Grüße tauschen
Und aus der Zweige sanft bewegtem Rauschen
Ein Liedchen schallt.

Dort zu dem Quell, der durch die Felsen gleitet
Und dann zum Teich die klaren Wasser breitet,
Führ´ ich dich hin.
In seinem Spiegel schau die stolzen Bäume
Und weisse Wolken, die wie sanfte Träume
Vorüber ziehn.

Dort lass uns lauschen auf der Quelle Tropfen
Und auf der Spechte weit entferntes Klopfen
Mit uns allein.
Dort wollen wir die laute Welt vergessen,
An unsrem Herzschlag nur die Stunden messen
Und glücklich sein!

Herbsttag

Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Nebel

Joseph Guggenmos (1922 - 2003)

Verloren im Nebelmeer
bin ich gefangen durch die Allee, bedachtsam sehr.
Schweigen rings um mich her.

Nichts war zu vernehmen. Nur dies
Knistern ab und zu auf dem Kies.
Ich wusste, das waren
meine Füsse. Sie suchten da unten ihren Weg, die unsichtbaren.

Und einmal ein leises Flüstern, links, nah.
Ein Ahorn in der Ahornallee fragte den andern: Bist du noch da?

Moorbirken

Gerd Geiser (netter Typ, bleibt hoffentlich noch lange unter uns, hatte kurz Kontakt mit ihm)

Gefährlich war's früher, durchs Moor zu geh'n,
frag nur die Birken, sie haben geseh'n,
wie mancher Versuch, hier Fuß zu fassen,
jählings gescheitert. Entsetzen! Erblassen!
Der Boden war einfach zu feucht und zu weich.
Die Birken sind heute noch kreidebleich.