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15. 03. 07: Autohersteller gibt Salzeinwirkung als Ursache schwerwiegender Defekte an!
"Rückrufaktionen sind aktive Maßnahmen von Unternehmen zur Abwendung von Personen- oder Sachschäden durch fehlerhafte Produkte", so steht es bei Wikipedia. Rückrufaktionen von Autoherstellern gab es bereits eine ganze Menge, denn unser Straßenverkehr birgt besonders viele Risiken. Herstellerland und Preislage der Automodelle scheinen keine Rolle zu spielen, ein Billigauto aus Spanien ist nicht zwangsläufig gefährdeter als ein Luxusauto aus Deutschland. Die Neuheit besteht darin, daß ein international führender Autokonzern innerhalb eines halben Jahres gleich zweimal Tausalzeinwirkung als Ursache schwerwiegender Defekte angibt.
Im November 2006 waren 69 400 Fahrzeuge betroffen, weil "Korrosion durch Streusalzeinwirkung ... bei einigen Modellen zu einem Bruch der Vorderradfeder und dadurch auch einer Beschädigung der Reifen" führen kann. Na, hoffentlich nicht in engen Straßen oder bei typischen Autobahngeschwindigkeiten. So verkündet die Firma gleichzeitig erleichtert, daß ihr ein derart entstandener Unfall nicht bekannt sei. Im März 2007 waren 46 000 Fahrzeuge einer anderen Typenreihe betroffen mit der Begründung, "durch Streusalz und Wassereintritt sind im Extremfall Kurzschlüsse und in der Folge ein Ausfall des Steuergerätes möglich". Die Fahrzeughalter wurden vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg angeschrieben, per Einschreiben mit Rückschein!
Schon lange sind diese Zusammenhänge bekannt, explizit angesprochen wurden sie unter anderem 2001 im hauptsächlich vom VCD finanzierten "Anti-Tausalz-Faltblatt" mit Protestpostkarte [344 KB]
der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen.
Dort stehen genau die beiden hier beschriebenen Fälle: Gutachter schätzen, daß 50 % der Korrosionsschäden an tragenden Karosserieteilen auf Salze zurückgehen. Funktionsausfälle durch Kriechströme und Kontaktbrücken gibt es in der Elektronik, selbst bei gekapselten Baugruppen.
Etwas weiter oben heißt es obendrein: Es ist fraglich, ob hoher Tausalzeinsatz pauschal der Verkehrssicherheit dient. Gerade hat der TÜV Rheinland davor gewarnt, daß Salzbeläge in Bremssystemen den Bremsweg verdoppeln können. Außerdem wird beobachtet, daß Salzeinsatz Wildtiere zu den Straßen lockt.
Soll man den Autobauer XYZ künftig meiden? Liefert er besonders schlechte Qualität?
Daß Tausalz auch sicherheitsrelevante Baugruppen von Autos angreift, ist quasi ein Naturgesetz. Ottonormalverbraucher würde kaum auf den Gedanken kommen, nach einem Unfall den Fahrzeugproduzenten wegen der Korrosionsanfälligkeit seiner Modelle zu verklagen. Der betroffene Konzern ist eigentlich bekannt für Fahrzeuge, die geringen Spritverbrauch und hohe Alltagstauglichkeit vereinen. Leider geht man nicht so weit, aus gegebenem Anlaß die Winterdienstpraxis in Frage zu stellen. Die Rückrufaktionen sollen ja nicht allzu bekannt werden, das wäre für Konkurrenten ein gefundenes Fressen.
Anfang Februar bin ich per Fahrrad etwa zwei Stunden lang durch Berliner Matschwetter gefahren. Bei meiner nächsten Drahteselbenutzung Anfang März funktionierte die Gangschaltung überhaupt nicht mehr.